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ERZIEHUNG

Widerstand zwecklos? Der Bettelblick!

Wohl dem, dessen Hund sich für das, was auf dem Tisch serviert wird, von Anfang an einfach nicht interessiert. Allerdings bin ich bislang noch keinem dieser Fabelwesen begegnet.

Jeder Hund möchte etwas von dem, was dort den Menschen serviert wird. Wenn ein Hund trotzdem nicht bettelnd an der Seite des Tisches sitzt, dann nicht, weil er nichts will, sondern nur, weil er gelernt hat, dass es ihm partout nichts bringt, dort zu sitzen und schluckend zu starren.
Kleksi ist nicht viel größer als eine kleine Katze und er hat kleine, schwarze Knopfaugen. Aber wenn Kleksi neben dem Tisch saß und etwas von unseren Tellern haben wollte, dann sah es so aus, als könne er die Größe dieser Augen auf Untertassengröße verändern. Dabei war es sogar egal, ob es Fleisch oder Gemüse, Salat, Spargel oder Milchreis gab. Es war sogar schnuppe ob unser Kleksi schon bis zum Stehkragen mit seinem eigenen Futter abgefüllt war … er bettelte!

Er saß dort auf etwas nervösem Hinterteil, machte zwischendurch Anstalten, als wolle er aufstehen, setzte sich dann aber etwas hektisch doch wieder hin. Sein Blick wanderte von mir zu meiner Tochter, von ihr zu meinem Mann und wieder zurück – zwischendurch machten seine Augen einen Abstecher zu dem, was er von da unten aus von den Tellern sehen konnte. Manchmal schien er bellen zu wollen, aber es wurde dann doch immer nur ein leises Janken, das ab und zu zu so etwas Ähnlichem wie einem Kläffen anschwoll. Und dann ging das nervöse Hinterteilwackeln auf dem Boden wieder von vorne los. Immer wieder schluckte er völlig überzogen, als könne er schon schmecken, was er erbetteln wollte.
Der Hund meiner Freundin, ein großer Labrador, hatte eine andere Technik. Er setzte sich neben den Tisch und starrte … völlig unbewegt … wie zu Stein geworden … und dabei fing er ganz langsam an zu sabbern. Die einzige Bewegung die sichtbar war, war die seiner Augen, die der Nahrung jeden Millimeter weit folgte. Vom Teller über den Weg der Gabel bis zum Mund und wenn man dann selber das Essen herunter schluckte, schluckte der Labbi ebenfalls, bevor er wieder zur Statue erstarrte.
Beide Vorgehensweisen bewirkten, dass man das Gefühl hatte, sie guckten einem das Essen aus dem Mund heraus.
Betteltechniken gibt es sehr, sehr viele. Hüpfen, Janken, Starren, Kläffen, am Tisch oder am Bein hochsteigen …
Methoden um das Betteln abzustellen, gibt es nur eine einzige: Konsequentes Ignorieren!
Natürlich kann man den Hund während der Mahlzeit auch einfach in einen anderen Raum bringen, aber das ändert nichts an seinem Verhalten, wenn man mit ihm irgendwo anders ist. Also muss man ihm beibringen, dass er nicht Bettelt. Das geht nur und ausschließlich über den Weg, dass er erfährt, dass ihm das Betteln – egal wie lange er es aushält – nichts bringt.

Hält man das Ignorieren eine halbe Stunde lang aus und gibt ihm dann doch etwas, lernt die Fellnase, dass sie nur lange genug ausharren muss, um etwas zu bekommen. Das heißt, der Hund muss wieder und wieder und wieder erfahren, dass nichts, aber auch wirklich rein gar nichts seine Menschen dazu bewegt, ihm etwas vom Tisch zu geben. Es klingt ein wenig grausam, aber er wird irgendwann einfach geschlagen aufgeben und sein Bettelverhalten einstellen. Es wird dabei oft unterschätzt, was alles für den Hund unter „Erfolgserlebnis“ beim Betteln gewertet wird. Nicht nur das tatsächliche Erhalten eines Happen vom Tisch ist ein Erfolg – es ermutigt den Hund auch, weiter zu machen, wenn er regelmäßig generelle Aufmerksamkeit erhält. Das heißt, wenn man zum Beispiel wegen der Bettelei immer wieder mit dem Hund spricht. Auch Sätze wie „Hör auf zu Betteln“ oder „Du brauchst gar nicht so zu gucken, du kriegst nichts!“ lassen den Hund glauben, er befinde sich schon auf der Zielgeraden zum Erfolg. Er hat bereits die Aufmerksamkeit seines Menschen, da kann es ja wohl nicht mehr lange dauern, bis der Mensch ihm auch eins von den Leckerchen gibt.

Der Hund sollte satt sein, bevor sein Mensch isst. Wer es dann schafft, den Hund während der Mahlzeit komplett zu ignorieren wird erstaunt sein, wie schnell das Bettelverhalten eingestellt wird. Hunde haben beim Betteln nur dann Geduld, wenn sie aus Erfahrung wissen, dass sich diese Geduld lohnt. Wenn ihre Erfahrung ihnen allerdings sagt, dass auch langes Warten nichts bringt, dann ziehen sie frustriert ab und kommen relativ schnell bei den Mahlzeiten nicht einmal mehr an den Tisch heran. Wir wünschen guten Appetit.

Fotos: Dee Hunter, Michael Pettigrew, Marcel Jancovic, Denis Babenko – shutterstock.com

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