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HALL OF FAME

Künstler, die Geschichte schrieben: Tattoo Legende H.R. Giger

H.R. Giger zählt sicherlich zu den bekanntesten, aber auch eigenwilligsten Künstlern der phantastischen Szene. Obwohl Giger selbst kein Tätowierer war, sondern »nur« Künstler, so hat er dennoch einen Platz in unserer Hall of Fame verdient. Wie kaum ein anderer Künstler, hat er die weltweite Tattoo-Szene nachhaltig beeinflusst und erheblich bereichert.

Seine Bilder sind weltberühmt, und es gibt wohl niemanden, der nicht schon einmal fasziniert einen Moment vor einem Werk Gigers verharrte, angezogen von jener vollkommen ungewöhnlichen Symbiose aus erotischer Körperdarstellung und phantastischer Architektur, jedoch gleichzeitig abgestoßen, von der unverhohlenen Gewalt, die die meisten seiner Bilder ausstrahlen. Gigers Kunst ist ein nicht leicht zu verdauendes ­Statement, eine nach außen getragene Verbildlichung seiner innersten Gedanken und Bildwelten, die verwirren, ja sogar beunruhigen muss. Und doch wird es einen Grund dafür geben, dass man sich dem Einfluss dieser Bilder nicht entziehen kann. So mancher Betrachter muss sich zwangsläufig fragen, wieviel von dem, was dargestellt und so anziehend ist, tatsächlich das eigene Bewusstsein, die eigene Psyche anspricht.

Foto: shutterstock.com

Die Darstellung von so hintergründiger und zutiefst verstörender Gewalt (viele von Gigers Phantasiegeschöpfen sind untrennbar mit der Architektur verbunden, unfähig, sich von ihr zu lösen und auf immer dazu verdammt, einer festen Bestimmung zu folgen?) ist immer problematisch, doch Gigers Bilder bleiben so verschlüsselt, so verworren, dass sie ihren Weg in die breitere Öffentlichkeit fanden und dem Künstler (und seinen ureigensten Phantasien) einen Bekanntheitsgrad bescherten, der ihm selbst nicht immer angenehm war

»Es stimmt nicht, dass ich dem Düsteren besonders nahe stehe. Die Bilder kommen einfach. Ich liebe die schönen Seiten des Lebens, und ich habe gern Humor. Es ist ja so, dass der Mensch sowohl helle wie auch dunkle Seiten hat, sie bilden eine Polarität und gehören zusammen. Deshalb verstehe ich nicht, wieso immer eine Strafe folgen soll, wenn jemand böse ist. Das Böse bleibt ja trotzdem bestehen.«

Foto: shutterstock.com

Doch Giger war als absoluter Perfektionist bekannt. Mit seiner Arbeit an den Filmen war er nie wirklich zufrieden, weil er immer das Gefühl hatte, nie die völlige Kontrolle über seine Arbeit zu haben und so manche Dinge abschwächen zu müssen – was angesichts der verletzlichen Psyche des Standardpublikums vielleicht auch besser so war – weshalb er viel lieber in seinem Atelier arbeitete und seine Phantasien als Maler, Zeichner, plastischer Gestalter und Ausnahmekünstler genau so zum Ausdruck brachte, wie es sein inneres Selbst verlangte. Die Ergebnisse, wenn sie denn das Licht der Öffentlichkeit erreichten, verkauften sich millionenfach und dienen schon sehr lange als Vorbild für so manchen anderen Künstler, denn dass diese Werke unnachahmlich inspirierend sind, bleibt unbestritten.

Höhepunkt seiner Karriere war sicherlich der Tag, an dem Ridley Scott ihn für Teile des Designs seines neuesten Films engagierte. Es ging um die Darstellung eines Monsters, das sich auf äußerst brutale Weise einen Wirtskörper sucht, in den es einen Embryo einsetzen kann. Dieser sollte, auf beachtliche Größe angewachsen, schließlich aus dem Brustkorb des Opfers herausbrechen, um dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden, bis er, zu voller Größe ausgereift, nach Beute zu suchen beginnt – ein widerwärtiger, unbegreiflicher Parasit. Natürlich ist die Rede von Alien. Giger schuf für jenen Film alle Formen des Monsters, das Design für das außerirdische Schiff und so manch andere Grausigkeit, die dennoch nie ohne faszinierende Schönheit blieb. ­Allein die Schädelform des Aliens sorgt für erotische Assoziationen, die sicher nicht ohne Wirkung auf die Psyche des Kinozuschauers blieb… Seitdem war Giger für zahlreiche weitere Filme aktiv gewesen, u.a. Poltergeist 2 und Species. Seine Arbeit für das Kino hatte seinen Bekanntheitsgrad sicherlich um ein Vielfaches gesteigert und dem eigentlich sehr introvertierten Künstler die schon erwähnte Aufmerksamkeit beschert, die er gerne vermieden hätte, aber die Chance, seine Phantasiegeschöpfe als echte Kreaturen auf der Leinwand zu erleben, konnte er sich wohl kaum entgehen lassen…

Und so ist es auch kein Wunder, dass Gigers Bilder immer wieder ihren Weg auf die nackte Haut von Tattoo-Freunden finden und dass sein Verständnis von physischer und mechanischer Symbiose so manchem Fan wohlige Schauer bereitet. //

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