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Das immer noch ungeklärte Thema: Tätowierungen am Arbeitsplatz

Auch wenn moderne Tätowierungen kaum noch etwas mit den Bedeutungen alter Seefahrer-Motive oder zwielichtiger Gestalten zu tun haben, so bleibt die Toleranz selbst am eigenen Arbeitsplatz doch immer noch eine rechtliche und gesellschaftliche Grauzone. Viele Themen beschäftigen die Tattoofans in Deutschland. Eines ist dabei im Grunde ständig aktuell und allgegenwärtig, nämlich das Thema Tattoos am Arbeitsplatz.

Immer wieder werden Tätowierungen am Arbeitsplatz und die damit verbundenen Freiheiten und Verbote kontrovers diskutiert, weil es im Grunde keine glasklaren arbeitsrechtlichen Regeln und Verordnungen gib. Vieles ist Auslegungs- bzw. Interpretationssache und die Spielregeln des Arbeitgebers können ebenso schnell wechseln, wie die Jahreszeiten. Fakt ist: Tattoo-Fans sind auch heute noch in den meisten Arbeitsverhältnissen und Berufsgruppen vom Wohlwollen der entsprechenden Geschäftleitung abhängig.

Je repräsentativer und kundenorientierter ein Beruf, desto geringer die Toleranz bezüglich Tattoos

Gerade die einzelnen Berufsgruppen behandeln das Thema Tattoo unglaublich unterschiedlich. Während man in der Finanzbranche kaum Freiheiten in Bezug auf Körperkunst hat, sind die „Auflagen“ in den meisten handwerklichen Berufen kaum vorhanden und höchstens maginal. Die erkennbare Regel hierbei: je repräsentativer und kundenorientierter ein Beruf, desto geringer ist die Toleranz bezüglich Tattoos. Der Bankangestellte darf leider bei seinem Vorgesetzen weniger Toleranz für ein Totenschädel Tattoo auf dem Hals erwarten, als der Bauarbeiter. Natürlich sind diese Relikte der äußerlichen Bewertung nicht schön, aber sie sind immer noch sehr fest in unsere Gesellschaft verklebt. Nur langsam ändern sich hier die einzelnen Berufsfelder. Polizisten und Soldaten zum Beispiel dürfen heute viel freier mit dem Thema Tattoos umgehen, als noch vor 20 Jahren. Dennoch stehen die Regeln der Arbeitgeber immer noch vor den Interessen der tattoointeressierten Arbeitnehmer. Die Fachleute aus dem Bereich des Arbeitsrechts raten daher immer wieder, vor allem die Pläne und Wünsche nach sichtbaren Tätowierungen vorher mit dem Chef abzuklären, wenn man nicht eine Abmahnung oder im schlimmsten Fall sogar eine Kündigung riskieren will. Hier muss man nämlich wissen, dass unsere Persönlichkeitsrechte genau ab dem Moment in den Hintergrund treten, sobald Tattoos der Firmenphilosophie schaden könnten. Wann dies der Fall ist entscheidet dann wieder die Geschäftsleitung.

Grafikerin Andrea – Ich bin 24 Jahre und habe mit meinen Tattoos beim letzten Job richtig Probleme bekommen. Ich habe meinem damaligen Chef nicht von meinen Tattoowünschen bzw Terminen erzählt und er hatte sie zum ersten Mal im Sommer vor zwei Jahren gesehen. Er hat direkt einen riesen Ärger veranstaltet. Ich hätte das mit ihm absprechen müssen, er hätte das nicht genehmigt, ich könne jetzt nicht mehr mit Kunden des Grafikbüros arbeiten und so weiter. Er hat mich regelrecht degradiert und verbannt, in ein altes, einsames Büro, am Ende des Flurs gesteckt und angefangen mich regelmäßig zu mobben.

Irgendwann hab ich dann echt genug gehabt und gekündigt. Mein neuer Chef ist da total anders, ne richtig coole Socke. Beim Vorstellungsgespräch hat er meine Tattoos gesehen und angefangen mir dazu Löcher in den Bauch zu fragen – wie lange die Tattoos gedauert und was sie gekostet haben, wie schmerzhaft sie waren, wie lange ich sie mir schon gewünscht hatte und so weiter. Das war schon irgendwie kurios, denn im Grunde fragte er kaum etwas zu meinen früheren Tätigkeiten, Programm-Kenntnissen und so weiter. Ich sprach in darauf an und er meinte: „Du hast mir erzählt, wie lange du auf deine Tattoos gewartert hast und wie schmerzhaft und teuer sie waren, wie viel sie dir bedeuten. Du bist also anscheinend zielstrebig, wenn es sein muss geduldig, bist in der Lage auch negative Phasen zu durchstehen, bist langzeitmotiviert, kreativ und überzeugt von dem was du tust. Genau so jemanden brauche ich hier im Büro, du bist perfekt für den Job. Willkommen an Bord.“ Na, da hab ich ja endlich auch mal Glück gehabt.

Frisör Christian – Ich bin 28 und arbeite in einem kleinen, eher konservativen Frisörstudio. Meine Chefin ist noch vom alten Schlag und war in meinem Vorstellungsgespräch, vor zwei Jahren, alles andere als begeistert von meinen Tattoos. Wegen meiner Qualifikationen und meinem guten Arbeitszeugnis meiner früheren Arbeitsstelle, wollte sie mir zumindest eine Chance geben.

Sie vereinbarte eine dreimonatige Probezeit und erklärte mir, dass die jüngeren Kunden bestimmt kein Problem mit meinen Tätowierungen haben würden, aber bei den älteren Generationen sei sie sich nicht so sicher. Sie gab jedem Kunden nach dem Termin einen kleinen Bewertungsfragebogen mit Kästchen zum ankreuzen. Die Kundschaft sollte dort vermerken, ob sie mit meiner Arbeit zufrieden war in punkto Schnitt, Freundlichkeit, Beratung etc. Auch wurde gefragt, ob meine Tattoos stören würden. Das Ergebnis der dreimonatigen Probezeit: Nicht ein einziger Kunde hatte sich über meine Tattoos beschwert, oder fand sie in irgendeiner Art und Weise störend. Ich war selbst total überrascht, hab mich aber natürlich sehr darüber gefreut. Heute bin ich sehr zufrieden mit meinem Job, ebenso wie meine Chefin und meine Kunden mit mir. Meine Tattoos spielen auf meinem Arbeitsplatz überhaupt keine Rolle.

Daniel Barkeeper – Eigentlich habe ich eine Ausbildung als Offsetdrucker gemacht, aber irgendwie bin ich in der hochprozentigen Spirituosen-Gastronomie gelandet. Bevor ich meinen aktuellen Job angenommen hab, hatte ich schon meinen Armsleeve und meinen Chef stören meine Tattoos mal gar nicht. Der ist schließlich selber ordentlich zugetackert, mit tätowierten Handrücken inklusive Chicano-Lettering am Hals.

Yoga-Lehrer Thorsten – Als Angestellter in einem Yoga-Studio habe ich immer wieder negative Erfahrung mit Kunden bezüglich meiner Tattoos. Hierbei kann ich sagen das je jünger die Kursteilnehmer sind, desto weniger Probleme gibt es und je älter die (vor allem weiblichen)Teilnehmer, desto häufiger beschweren sie sich über meine Hautkunst. Leider ist in meinem Beruf zwar die Toleranz meiner Arbeitgeber erstklassig, aber die meiner Kunden zumindest manchmal ein wenig fragwürdig.

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