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Mit Tattoos kämpft sie um ihre Liebe

Tätowierungen auf Majas Haut brachen die Barriere zwischen ihr und dem Künstler. Die Ablehnung war nur „Nicht Verstehen“

ennis ist 34 Jahre alt, hochgewachsen mit Modelmaßen, ein hervorragender Maler und gerade wegen seiner „Schrulligkeit“ von vielen Frauen umschwärmt. Was kaum jemand weiß ist, dass Dennis am Asperger-Syndrom leidet – einer Form des Autismus. Die Ausprägungen des Syndroms sind sehr, sehr individuell. Manche Betroffene können nur schwer am Leben der Gesellschaft teilnehmen, anderen merkt man es kaum an. Viele von ihnen haben spezielle Begabungen. Maja hatte sich erst in Dennis’ Bilder und dann in den Mann verliebt. Aber es schien aussichtslos.
„Anfangs habe ich ihn für unhöflich gehalten, dann dachte ich, er sei vielleicht einfach nur schüchtern. Er sah mich nur sehr selten an, berührte mich nie und wenn er mit mir sprach, dann war es so, als rede er mit irgendwem anderem im Raum.
Aber wir verbrachten immer mehr Zeit miteinander und mein ganzes Denken und Fühlen drehte sich nur noch um ihn.
Relativ schnell hatte ich herausgefunden, dass er anderen gegenüber noch abweisender war als wenn er mit mir zusammen war und ich sah es als Hoffnungsschimmer.

Wenn wir sprachen, dann war es in erster Linie über seine Bilder, über die seltsamen Motive, die er malte und die irgendwie immer einen Blick in seine Seele zu gestatten schienen, ohne dass man verstand, was man sah.
Mehr als einmal versuchte er mir zu erklären, was er gemalt hatte, aber der Versuch war im Ansatz zum Scheitern verurteilt. Aber ich konnte erkennen, dass es beinahe so etwas wie Verzweiflung in ihm aufkommen ließ, wenn er spürte, dass ich nicht begriff, was er sagen wollte.
Ausgerechnet die Nacht, in der es zur Katastrophe kam, war auch die, in der unsere Beziehung tatsächlich begann.
Ich habe ihn geküsst, weil ich es für völlig normal hielt und dachte, dass der Schritt längst überfällig sei. Er hat es über sich ergehen lassen, aber er hat mich nicht zurück geküsst. Und als ich verwirrt und beschämt über seine Reaktion von ihm abließ, stand er einfach auf, ging ins Bad und schloss sich dort ein.
Ich habe geweint und dachte, ich hätte alles ruiniert, aber trotzdem bin ich in seiner Wohnung geblieben und nicht gegangen. Ich wusste nicht wohin. Von ihm weg schien mir undenkbar – also blieb ich.
Und nach etwa zwei Stunden öffnete sich die Tür wieder, er kam zu mir, als sei nichts gewesen, setzte sich zu mir und erzählte mir vom Asperger-Syndrom.
Alles ergab nun endlich einen Sinn und ich wusste, dass ich nichts falsch gemacht hatte – genausowenig wie er etwas falsch gemacht hatte. Und plötzlich konnte ich in seinen Bildern einen Sinn erkennen, der mir vorher verschlossen geblieben war. Ich behaupte nicht, dass ich sie verstehe, aber ich kann sie jetzt fühlen.
So wie er sie fühlt … Dennis vermeidet Berührungen, aber zu seinen Bildern fühlt er sich hingezogen und berührt sie regelmäßig – und daraus entstand meine Idee …
Es gibt ein Bild, dass „Maja“ heißt und dass er gemalt hatte, um zu zeigen, wie er mich sieht. Es zeigt einen Baum, der mit großen, starken Wurzeln in der Erde verankert ist und gleichzeitig alle Äste mit grünen Blättern weit in den Himmel streckt.
Als wir uns für einige Tage nicht sahen, nahm ich das Bild und ging in ein Tattoo-Studio …
Der gröbste Heilungsprozess war bereits abgeschlossen, als wir uns wieder trafen und als wir abends beieinander saßen, zeigte ich ihm das Bild auf meiner Haut … und das bis dahin Undenkbare geschah … seine Augen wurden etwas größer und er streckte aus eigenem Antrieb die Fingerspitzen aus, um mich zu berühren. Vorsichtig streichelte er meine Haut, als könne er damit das Bild noch inniger berühren, als er es vorher auf der Leinwand getan hatte.
„Es ist warm …“ sagte er gedankenverloren „Jetzt lebt es wirklich. Mein Bild lebt – auf dir.“
Ich konnte kaum sprechen, so wunderbar war das Gefühl für mich.
Ich trage inzwischen viele seiner Bilder auf meiner Haut. Ich werde bewundert für die ungewöhnlichen, einzigartigen Motive, aber was viel wichtiger ist: ich habe die Grenzen zwischen seinem Geist und meiner Haut mit jedem Bild ein wenig mehr aufgelöst.
Wir werden vielleicht nie ein normales Sexleben haben, aber das macht nichts.
Dennis hat durch seine Bilder auf meiner Haut gelernt mich zu berühren und diese Berührung als angenehm zu empfinden und manchmal küssen wir uns – das ist mehr als ich zu Beginn unserer Beziehung für möglich gehalten habe. Und wenn das möglich war, dann ist vielleicht irgendwann noch viel mehr möglich.

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