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LIFESTYLE

Dave Tedder – USA

Zwischen Comic, Realistic und Fantasy. Dave tanzt auf vielen verschiedenen Hochzeiten. Schon einmal haben wir einen Bericht aus dem schönen Atlanta präsentiert und uns mit dem dort ansässigen Ausnahmestudio All Or ­Nothing beschäftigt. Diesmal wollen wir von einem Tattoo-Künstler berichten, der mit seinen kraftvollen Farben und phantasievollen ­Designs vor allem in den Vereinigten Staaten für großes Aufsehen sorgt. Die ­Rede ist von Dave Tedder. Obwohl Dave z.Zt. rund um die Uhr beschäftigt ist und sich sein Leben momentan zwischen Studio-Terminen und Conventions abspielt, hat er sich dennoch die Zeit genommen, unsere brennendsten Fragen ausführlich zu beantworten.

TS: Wann hast du angefangen, als professioneller Tätowierer zu arbeiten, und seit wann arbeitest du im Studio All Or Nothing? Wie bist du eigentlich mit Inhaber Brandon Bond zusammengekommen?
Dave: Ich tätowiere jetzt seit ca. sechseinhalb Jahren, und es war für mich vom ersten Tag an eine wundervolle Erfahrung. Dabei mußt du verstehen, daß ich in diesen Jahren immer 12 bis 18 Stunden täglich, sechs bis sieben Tage die Woche, gearbeitet habe. Ich hatte so gut wie nie Freizeit. Wenn man nun nach den Stunden gehen würde, käme ich im Vergleich mit anderen Tätowierern sicherlich auf vergleichbare zwölf Jahre Berufserfahrung. Ich wollte schon leidenschaftlich gerne Tätowierer werden, seit ich zehn Jahre alt war, und glücklicherweise lernte ich diesen Beruf dann auch und dies von hervorragenden Tätowierern wie Holden Ritchison und Novi Filipovich.
Ich bin zu All Or Nothing gekommen, als das Studio gerade einen Monat lang geöffnet war. Vorher bin ich wie ein Zigeuner tätowierend an der Ost-Küste herumgereist und habe in verschiedenen Studios als Gasttätowierer gearbeitet und Flash-Motive verkauft. Durch einen Freund kam ich dann nach A.O.N., und nach ein paar Wochen dort war mir klar, daß ich auf jeden Fall bleiben wollte und dieses Studio meine Home-­Base werden sollte. Das Umfeld, daß Brandon hier geschaffen hat, macht es sowohl Tätowierern als auch Kunden unglaublich schwer, wieder zu gehen. Es ist so entspannend und gleichzeitig motivierend, von soviel Kunst umgeben zu sein.

TS: Du arbeitest mit sehr kraftvollen Farben. Dieser Stil scheint sehr viel Ähnlichkeit mit den anderen Tätowierern bei A.O.N. zu haben. Ist dein Stil nun ein Resultat aus der permanenten Zusammenarbeit und regelmäßigem Gedankenaustausch des Studioteams oder war dies schon immer deine eigene Art, zu tätowieren, und daher einer deiner Gründe, bei A.O.N. zu bleiben?
Dave: Zuerst einmal Danke schön für diese Einschätzung. Ich war stets bemüht, meine Tätowierungen mit hoher Farbdichte recht kugelsicher zu machen. Starke, kraftvolle Farben – das entspricht ­exakt dem, was ich seit meiner ganzen Karriere anstrebe. Ich empfinde es als eine meiner Aufgaben, die Leute, die glauben, daß Farben dazu verdammt sind, zu verblassen, vom Gegenteil zu überzeugen. Ich versuche das mit jedem meiner Tattoos zu erreichen.
Des weiteren glaube ich, daß alle Tätowierer bei A.O.N. ihren ganz eigenen Stil haben, aber du hast schon recht, daß wir alle mit diesen kraftvollen Farbdesigns arbeiten. Das hat unter anderem zwei Gründe: Erstens stellen wir niemanden an, der nicht mindestens mit uns auf einem Qualitätslevel ist, denn ein Tattoo-Studio ist immer nur so stark wie seine schwächste Tätowierung.´ Wenn es eines gibt, worauf du hier zählen kannst, dann daß du immer ein erstklassiges Tattoo bekommst, egal von welchem Studio-Mitglied. Das A.O.N. ist definitiv ein Studio, in dem du als Tätowierer wirklich jeden Tag dein Bestes gibst. Zweitens, alle Tätowierer hier zeichnen zusammen, besprechen gemeinsam Farbgestaltungen und Tattoo-Wünsche, und das den ganzen Tag lang. Eine Vorlage geht durch so viele Kollegenhände wie nur eben möglich. Jeder hier gibt seine Stärken dazu, so daß weder die Vorlage noch das spätere Tattoo irgendwelche Schwächen aufweisen. Daher unterrichten wir uns regelrecht jeden Tag gegenseitig. Was einige von uns nur über Jahre erlernen konnten, übernehmen dann andere Studiokollegen innerhalb kürzester Zeit, und dies ohne die Fehler, die zwangsläufig in solch einem Lernprozeß entstehen. Das ist wohl auch der Hauptgrund, warum ich bei A.O.N. bleiben wollte und auch nie mehr auf frühere Zeiten zurückgeblickt habe. Meine Tage als Tattoo-Zigeuner waren gezählt, jetzt verlasse ich das Studio nur noch für Conventions und ein paar ganz besondere urlaubs­ähnliche Gasttätowierer-
Wochen.

TS: Du scheinst im Grunde genommen mit jeder Stilrichtung zu arbeiten, doch offensichtlich sind Asiatisch und OldSchool deine Favoriten. Ist das richtig, und warum bevorzugst du diese Stile?
Dave: Also, um ehrlich zu sein, glaube ich schon, daß man als Tätowierer, der mehr als nur gut sein möchte, sehr vielseitig sein sollte. Du solltest mit jedem Tattoo, daß dir der Kunde zuwirft, umgehen können. Wenn ein Kunde mein Portfolio durchsieht und daraufhin eine Tätowierung wünscht, fühle ich mich sehr geehrt, gebe daher 113 Prozent und versuche dem Kunden das beste Tattoo zu geben, daß er je gesehen hat, egal, um welchen Stil es sich handeln mag. Wenn ich etwas bezüglich einer Stilrichtung nicht verstehe, verwende ich ausreichend Zeit, um es herauszufinden. Aber du hast schon recht, ich bevorzuge schon den japanischen Stil und auch OldSchool-Motive. Beide Stilrichtungen sind äußerst haltbar und schenken dem Träger, wenn sie richtig gemacht wurden, Freude für den Rest seines Lebens. Japanische Motive fügen sich dem menschlichen Körper so unglaublich gut an. Ich liebe es, wie das Design so natürlich die Muskelstrukturen umfließt und sich gleichzeitig mystisch und zeitlos anfühlt.Im Moment verbringe ich viel Zeit damit, meine Illustrationen zu verfeinern und in diesen klassischen Designs mehr meines eigenen Flairs mit einzugeben.
TS: Dann hätte sich die nächste Frage eigentlich schon fast von selbst beantwortet, aber trotzdem: Wenn du nur noch ein einziges Tattoo stechen dürftest und das für den Rest deines Lebens, welches Tattoo würdest du wählen?
Dave: Es wäre definitiv eine Tätowierung im japanischen Stil. ich könnte Kois, Drachen oder Onis den ganzen Tag lang tätowieren, ohne davon genug zu bekommen. Du kannst mit jedem einzelnen Tattoo so viel verändern, obwohl die Grund-Motive gleich sind; es wird einfach nie langweilig. Dieser Stilrichtung gehört mein ganzes Herz.
TS: Was würdest du bevorzugen: große Motive oder kleine, Kunden mit vorgefertigten Motiven oder solche, die mit einer generellen Idee zu dir kommen, bei der du dein eigenes Design freier ausleben kannst?
Dave: Natürlich mag ich eher große Motive. Versteh’ mich bitte nicht falsch: Ich liebe es auch, innerhalb von ein paar Stunden ein kleines Motiv zu beginnen und dann zu beenden. Doch das Vergnügen, eine Tätowierung zu vollenden, an der du schon seit sehr vielen Sitzungen arbeitest, übertrifft nahezu alles. Wenn du an einer großflächigen Arbeit sitzt, entwickelt sich zwischen dir und deinem Kunden eine Art Band, eine Verbindung, die ein Leben lang hält. Du bist zuerst ein Fremder, wenn du anfängst, und mit der Zeit, wenn du letztendlich die Tätowierung vollendet hast, ist es, als würdest du dich mit einem alten Freund unterhalten.
Ich mag es, wenn mir der Kunde ein wenig Input gibt, aber nicht zuviel. Ich arbeite gerne mit den Themen der Kunden, nicht mit zu vielen Details von ihnen; diese Details auszuarbeiten, das ist meine Aufgabe. Zuviel Einfluß des Kunden hemmt ohne Zweifel die eigene Kreativität. Natürlich ist es die Entscheidung des Kunden, was er wo tätowiert bekommen möchte. Aber diese vielen kleinen Details machen meiner Meinung nach den Unterschied zwischen den Tätowierern aus.

TS: Was magst du an deinem Beruf am allermeisten?
Dave: Ich liebe die täglichen Herausforderungen im Studio. Jeden Tag gilt es, neue Hürden zu überbrücken. Daher kommt auch der Begriff, den wir gerne benutzen: das A-Game. Du mußt auf den Punkt fit und bereit sein, denn niemand wird sich scheuen, dir zu sagen, daß er etwas an deiner Arbeit nicht mag. Ich liebe es auch, daß Kunden mich als den Tätowierer wählen, der ihre Ideen auf ihre Haut bringen soll. Die Arbeit eines Tätowierers wird wahrscheinlich öfter gesehen als die eines Künstlers, der seine Gemälde in einer Galerie präsentiert. Die Tätowierungen, die ich steche, gehen wahrscheinlich in viele Länder der Welt, beeinflussen die Art, wie Menschen über Tattoos denken, von jetzt an bis hoffentlich lange nach meinem Tod.
TS: Wie ist es im Allgemeinen, in einem Studio wie All Or Nothing zu arbeiten?
Dave: Die Gelegenheit, die ich vor zwei Jahren erhielt, war das Größte, was mir in meiner Karriere passiert ist. Meine Tätowierungen und Zeichnungen haben sich hier so rasend schnell entwickelt. Ich bin mir sicher, dies alles wäre ohne die Hilfe von Brandon Bond nicht möglich gewesen. Er hat für mich mehr getan als jeder andere auf dieser Welt, und ich kann mir nicht vorstellen, wo ich heute ohne seine Hilfe wäre. Es ist etwas Außergewöhnliches, hier angestellt und Teil dieses Teams zu sein. Wir alle versuchen, All Or Nothing wie eine gut geölte Maschine laufen zu lassen.

TS: Und deine Pläne für die Zukunft?
Dave: Für das kommende Jahr möchte ich ein wenig mehr auf Tour sein, die A.O.N.-Botschaft so weit verbreiten, wie es mir möglich ist. Ich arbeite auch z.Zt. an ein paar Buchprojekten. Eines der Bücher handelt von meinen Reisen, meinen Erlebnissen. Halb im journalistischen Stil und zur Hälfte im Erzählstil gehalten, berichtet dieses Buch über mein Leben als professioneller Tätowierer, nichts geschönt und nichts ausgelassen, nur die reine Wahrheit. Des weiteren sind Sketchbooks und ein ganz spezielles Buch über Letterings, also Schriftzüge, geplant. Dieser Lettering-Guide soll anderen Tätowierern helfen, bessere Schriftzüge zu tätowieren. Daher wird dieses Buch auch den passenden Namen „Dave Tedder’s better letters“ erhalten. Darüber hinaus versuche ich natürlich permanent, meine Fähigkeiten zu verbessern und jede neue Tätowierung besser als die letzte zu stechen.
TS: Die berühmten letzten Worte?
Dave: Wenn ich tot und begraben bin, möchte ich, daß die Leute über mich sagen, daß ich etwas für Tätowierungen getan habe und nicht, daßTätowierungen etwas für mich getan haben.

Dave Tedder ist sicherlich kein Tätowierer, der nahtlos in irgendeine normale Schublade paßt; zu ideenreich und ausgefallen sind seine Arbeiten, zu kreativ seine Schaffenskraft. Mit Dave hat nicht nur Atlanta, sondern vor allem die internationale Tattoo-Szene ein weiteres Highlight. Bleibt zu hoffen, daß er nicht nur die amerikanischen Conventions besucht, sondern sich auch so oft wie möglich in Europa blickenläßt. Denn eines steht außer Frage: Dave Tedder wird auch hier in Europa und vor allem in Deutschland sehr viele Fans seiner Arbeiten finden. «

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