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STUDIO-PORTRAIT

Mike DeVries, USA

Tierische Realistic-Tattoos in einer vollkommen neuen Dimension. Um ganz ehrlich zu sein – ja ich habe zunächst auch nicht geglaubt, daß diese Motive wirklich tätowiert sind. Aber es ist nun mal so. Mit seinen Arbeiten hebt Tätowierer Mike DeVries die Stilrichtung Realistc auf einen ganz neuen Level und wenn man jetzt auch noch erfahren muß, daß dieser Künstler gerade einmal 28 Jahre alt ist, spätestens dann wird der »normale« Tattoo-Fan völlig ungläubig den Kopf schütteln und beim durchlesen der restlichen Reportage, dies solange tun, bis ein mittelschweres Schleudertrauma nahzu vorprogrammiert ist. Aber was sollst, warum sollte es euch anders gehen als mir?

1979 in Süd Kalifornien, kurz vor Holly­wood geboren, wuchs Mike in der Gegend um Encino auf. Schon von Kindesbeinen an malte er immer und überall auf jedes Stück Papier, das er in die Finger kriegen konnte. Seine Liebe zur Kunst erwachte spätestens mit seiner Comic-Sammelleidenschaft. Er liebte diesen Stil und wie sollte es anders sein, ein Comicheld, Spawn, wurde schnell zu seinem Favoriten. »Nachdem ich 1997 die High-School beendet hatte, fing ich geradewegs im Handwerks-Betrieb meines Vaters an, in dem hauptsächlich Renovierungsarbeiten auf der Tagesordnung standen. Zu Beginn dachte ich noch, ich würde diese Arbeit für immer machen und irgendwann den Familienbetrieb übernehmen. Der Gedanke daran gefiel mir ehrlich gesagt nicht so. Aber im Grunde war es nie schlecht.«
Mike erinnert sich noch ganz genau an den Tag, als er, damals 16 Jahre alt, Besuch von einem seiner Freunde bekam. Dieser zeigte ihm voller Stolz sein brandneues Tattoo. Natürlich wollte Mike sofort am darauffolgenden Tag losziehen und sich auch eines besorgen. Er fragte, ungewöhnlicherweise, zuvor seine Eltern und noch viel ungewöhnlicher, diese stimmten zu. »Danach war alles vorbei. Ich hing sozusagen am Haken und war fest davon überzeugt, daß der Beruf des Tätowierers der wohl coolste Job der Welt wäre.« Danach folgten mehrere Jahre in denen er sich ein Tattoo nach dem anderen holte. Bei jedem Termin schenkte er den Arbeitsschritten der entsprechenden Tätowierer immer höchste Aufmerksamkeit, doch eigentlich ohne im Hinterkopf zu tragen, diesen Beruf irgendwann einmal selbst auszuüben.

»Eines Tages, es war 2003, als ich mich gerade von Jim Hayek stechen ließ, bot dieser an, mir das professionelle Tätowieren beizubringen.« Stop, halt – 2003??? das kann doch nicht sein! – Noch mal zurück. »Eines Tages, es war 2003, als ich mich gerade von Jim Hayek stechen ließ, bot dieser an, mir das professionelle Tätowieren beizubringen.« Doch es stimmt tatsächlich, Mike tätowiert seit gerade einmal dreieinhalb Jahren. Und somit habe ich mit diesem Tätowierer nicht nur einen Top-Act dieser Ausgabe, sondern auch gleich noch den passenden Newcomer gefunden, was mich das immer intensiver werdende kopfschüttelbedingte Unbehagen, zumindest für einen kurzen Augenblick vergessen ließ.
Nach gut einem Jahr intensiven Lernens, vielen Tattoos auf seinen Freunden und dem ersten eigenen Equipment, verließ Mike den elterlichen Betrieb und machte sich selbständig. »Das war echt toll und hat mein ganzes Leben in eine Welt der Kunst verwandelt. Die meiste Zeit ist es für mich nie wie richtige Arbeit gewesen, vielmehr ist es, als ginge ich einem wunderschönen Hobby nach, den ganzen Tag, jeden Tag.« Eine Aussage, die manch anderen Künstler neidisch machen könnte und die zudem von einem jungen Künstler getroffen wird, dem seine spektakulären Arbeiten derart leicht fallen und für ihn so selbstverständlich sind, wie für andere das Atmen.
Zu seinen größten Einflüssen zählt Mike die Arbeiten von Künstlern wie M.C. Escher und Salvadore Dali. Im Bereich der Tattoo-Vorbilder kann er kaum alle Namen aufzählen. Doch einige wenige möchte er dennoch nennen, darunter Künstler wie Bob Tyrell, Tom Renshaw, Robert Hernandez, Joe Capobianco, Guy Atchison, Nick Baxter und seinen Freunde und Kollegen Carson Hill und Mike de Masi. Zu guter letzt gilt Big Jim Hayek ein besonderer Dank, denn wäre er nicht gewesen, hätte Mike seinen Weg nie auf diese Weise beschreiten können.

Mike DeVries hat nie irgendeine Kunstschule besucht und in dieser Richtung auch keinerlei Lehrgänge oder weiterführende Ausbildungen genossen. Er ist ganz einfach ein junger Mann, der mit einem unsagbar künstlerischen Talent gesegnet und darüber hinaus in der Lage ist dieses Talent unter die Haut zu bringen. In der Tattoo-Welt ist dies natürlich eine unschlagbare Kombination. Für den einen mag ein solcher Young-Gun, wie man ihn in den Staaten nennt, ein echtes Phänomen sein, für andere wiederum eine Laune der Natur. Tatsache bleibt aber seine beeindruckende Fähigkeit, Motive der Natur realistisch umzusetzen. Savadore Dali, eines von Mikes künstlerischen Vorbildern war Zeit seines Lebens damit beschäftigt surrealistische Bilder zu kreieren. Das Wort »Surrealismus«“ bedeutet wörtlich »über den Realismus« oder »jenseits des Realismus«. Ich will nun Mike nicht mit Dali vergleichen, aber bei ihm scheint es sich genau umgekehrt zu verhalten und Mike versetzt daß, was zuvor noch als »nicht realisierbar« galt in die Wirklichkeit um. Jetzt mal Hand auf’s Herz – wie oft schon haben wir alle geglaubt, daß Ende der Fahnenstange sei erreicht, Tattoos könnten nicht noch wesentlich besser werden? Dabei bedarf es nur eines einzigen Tätowierers und einer handvoll Arbeiten um unsere Fahnenstangen-Erkenntnis über Bord zu werfen.

Mikes letztes Statement ist ebenso eindrucksvoll wie erstaunlich. »Ich hoffe meine Fähigkeiten weiter zu verbessern, um irgendwann das realistischste Motiv auf menschlicher Haut zu tätowieren. Das ist das Ziel, das ich erreichen möchte. Portraits, Tiere und Pin-Ups sind meine Lieblingsmotive, im Grunde alles was lebendig ist. Mit den großen, zuvor genannten Tätowierern als Vorbild, arbeite ich Tag für Tag daran, gute Arbeit abzuliefern und meine persönlichen Grenzen zu erweitern.« So so, der gute Mann hat also vor die realistischsten Motive zu tätowieren. und dabei, meiner Meinung nach, gar nicht gemerkt, daß er dieses Ziel doch schon längst erreicht hat. Oder sollte da möglicherweise echt noch mehr kommen? Die Antwort darauf kennt wohl Mike DeVries ganz alleine und er wird uns zeigen welchen Weg seine Kunst in den kommenden Jahren gehen wird. Ich persönlich freue mich wirklich sehr darauf. «

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