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STUDIO-PORTRAIT

Tattooartist Megan Hoogland

Die wundervoll künstlerischen Tattoomotive von Megan Hoogland sind einfach atemberaubend. Als Redakteur einer x-beliebigen Tageszeitung hat man es bestimmt nicht leicht. Da berichtet man über steigende oder fallende Börsenkurse, das ins Wasser gefallene Stadtfest oder sammelt Fakten über den Ausbruch zweier Patienten des öffentlichen Seniorenheims. Als Mitarbeiter eines Tattoo-Magazins hingegen steht man voll und ganz auf der journalistischen Sonnenseite, besonders dann, wenn man Bilder einer Tätowiererin wie Megan Hoogland vorgelegt bekommt.

Schon seit einiger Zeit bin ich ein großer Bewunderer ihrer Arbeiten, und ein regelmäßiger Blick auf ihre Webseite (www.cactus­tattoo.com) gehörte bei mir schon fast zur quartalsmäßigen Standardaufgabe. Eine Art Tattoo-Pflichtlektüre also, aber eben mehr mit geschichtenerzählenden Bildern als mit Worten. Und so wie mir geht es bestimmt noch vielen anderen Liebhabern außergewöhnlicher Tätowier-Kunst, und daß Megans Tattoos mehr mit Kunst zu tun haben als mit vielem anderen, steht außer Frage.

Seit gerade einmal acht Jahren arbeitet Megan als professionelle Tätowiererin, und während man ihren Namen in deutschen Tattoo-Magazinen oder auf nationalen Conventions weniger oft vernimmt, ist sie in den Staaten eine richtig große Nummer. Zwar blickt Megan auf einen ziemlich raketenartigen Verlauf ihrer Karriere zurück, ist sich selbst aber immer treu geblieben. Keine Spur also von Star-Allüren, im Gegenteil. Schon zu Beginn ihrer Arbeit als Tätowiererin machte sie sich mehr Gedanken um das Wohlergehen der Kunden als um ihre eigene berufliche Laufbahn. Nach eigener Aussage dachte sie früher ständig darüber nach, daß ihre Arbeiten eine bestmögliche Qualität erreichen müssen, denn schließlich würden ihre Kunden mit den von ihr gestochenen Tätowierungen ein Leben lang umherlaufen. Dies alleine schon zeugt einerseits von ihrem großen Verantwortungsbewußtsein, das sie ihrem Beruf entgegenbringt, andererseits erklärt dieser Ergeiz und das Streben nach Qualität auch ihren großen beruflichen Erfolg.

Megan wachte nicht etwa eines schönen Morgens auf und tätowierte so gekonnt. Ihr Werdegang ist im Grunde nicht viel anders verlaufen als der von Tausenden anderer Tätowierer auch. Zuerst wurde gezeichnet, gezeichnet und wieder gezeichnet, dann absolvierte sie auf klassischem Wege eine Tattoo-Lehre, lernte von vielen befreundeten Tätowierern, reiste auf etliche Conventions und arbeitete in unzähligen Studios als Gasttätowiererin. Dann kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem sie sich bereit fühlte, den nächsten großen Schritt auf ihrem Lebensweg zu gehen, ihren eigenen Shop zu eröffnen. Im Süden Minnesotas, in der Stadt Mankato, rief sie schließlich das Studio Cactus Tattoo ins Leben. Hier arbeitet sie seitdem zusammen mit den Tätowierern Rob Foster, Karl Schneider, und Tom Alvardo, sowie der Piercerin Makeba Ische und dem Piercer Brandon Bohlmann. Die Tatsache, daß hier im Cactus Tattoo gleich vier Tätowierer und zwei Piercer arbeiten, zeigt wieder das bekannte amerikanische Prinzip. In den Staaten geht man seit geraumer Zeit dazu über, eine große Anzahl an besonders kompetenten Body

Megan wünscht sich mehr Talent! Was, habt ihr gerade richtig gelesen, noch mehr Talent? Sie meint damit aber in erster Linie ihre persönliche Arbeitsweise im Umgang mit Custom-Tattoos, also individuell angefertigten Tätowierungen. „Ich kopiere unheimlich gerne Kunst, und das ist beim Tätowieren ja auch das Ausschlaggebende, nämlich die bestmögliche Umsetzung einer Vorlage. Dennoch bin ich für eine reine Custom-Tätowiererin viel zu kontrolliert, und in den meisten Fällen sind meine Arbeiten Umsetzungen von Kunden-Wünschen, nicht aber komplette Neuentwicklungen.“ Dennoch muß Megan jedes Tattoo individuell auf jeden Körper neu anpassen und rät den Kunden dabei immer wieder, ihre Motiv-Idee zu überdenken.“Oftmals wollen Tattoo-Kunden viel zu viele Details in viel zu kleinen Tätowierungen untergebracht haben. Schon aus kurzer Entfernung ist es dann vorbei mit dem Detailreichtum, und man kann kaum noch etwas erkennen. Ich bin immer der Meinung gewesen, was man mit einem spitzen Filzstift nicht zeichnen kann, sollte man auch nicht tätowieren.“ Daher rät Megan vielen Kunden zu einer angepaßten Größe des Tattoo-Motivs. Ihrer Meinung nach kann eine Tätowierung erst dann richtig wirken, wenn sie ausreichend groß und richtig platziert auf der Haut liegt.-Artists in einem Studio zu vereinen. Speziell der Kunde profitiert von diesem Studio-Prinzip, bekommt er hierdurch doch jede nur erdenkliche Stilrichtung geboten.

Aber dann kommen wieder Megans persönliche Highlights, denn immer öfter lassen ihr die Kunden freie Hand und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar kommen sie mit recht klaren Vorstellungen eines bestimmten Motivs, lassen Megan aber genügend Spielraum für eigene Interpretationen und persönlichen Einfluß. „Die Tätowierungen, die dabei entstehen, verblüffen die Kunden meist mehr als ihre vorherige Vorstellung der Arbeit“, fügt Megan hinzu. Und so entstehen dann auch die markantesten Tätowierungen von Megan Hoog­land. Die Arbeiten in Form von Art Nouveau, oder auch Jugendstil genannt, bestechen nicht nur durch ihre künstlerische Ausführung, sondern vielmehr noch durch ihre farbenprächtige Gestaltung. Besonders auffällig dabei ist die Hintergundgestaltung der Motive. Figuren und Personen stehen nicht einfach nur auf der Haut, sondern werden durch Ton in Ton gehaltene Farbverläufe in einen Rahmen gefaßt, der dem Tattoo zwar Halt bietet, es aber durch seine lockere Struktur in keiner Weise einengt. In den realistischen Tätowierungen zeigt Megan ihre ganze Klasse. Ihr Spiel mit Licht und Schatten läßt die Tätowierungen unglaublich lebendig erscheinen und präsentiert sie fast photorealistisch. Neben künstlerischen oder realistischen Tätowierungen beherrscht Megan Hoog­land aber auch alle anderen Tattoo-Stilrichtungen. Puppet-Comics befinden sich genauso in ihrem Portfolio wie asiatische Motive, Gestaltungen aus Fauna und Flora und noch vieles weitere. Gut und Gerne könnte man sie als Allrounderin bezeichnen, auch wenn sie nicht allzusehr in irgendeine der herkömmlichen Stilschubladen passen möchte, denn viel zu individuell ist ihr ganz persönlicher Stempel, den sie einer Tätowierung aufdrückt. Bestes Beispiel hierfür sind eben die Art Nouveau-Tätowierungen von Megan, die ihren eigenen Stil bekräftigen.

Abschließend ist vielleicht eine einzige Sache als negativ zu bewerten: Megan Hoogland ist leider nur sehr selten in Europa anzutreffen, obwohl ihre Fangemeinde hier – genau wie in den Staaten – ständig wächst. Aber eventuell wird es ihr in Zukunft möglich sein, das eine oder andere Mal auf deutschen Conventions zu arbeiten. Die hiesigen Freunde hochwertiger Tätowierkunst werden es ihr sicherlich danken. Für Megan selbst hat sich mit diesem Beruf ein Traum erfüllt. Kreativ und voller Schaffenskraft wirft sie sich in jede ihr neu gestellten Aufgaben. Ihre Arbeiten zeugen von hoher Präzision, aber auch von Disziplin und Hingabe für diesen Beruf. Und anders sollte es ja eigentlich auch nicht sein.

Und auch wenn sie Tätowierungen, wie hier präsentiert, nicht jeden Tag erstellt, so sagt sie dennoch von sich selbst: »Manche Tattoos, wie zum Beispiel Kanji-Symbole, sind für eine Tätowiererin schon manchmal ein wenig langweilig, doch dann kommt immer wieder ein Kunde mit einem Tattoo-Wunsch daher, bei dem ich mich wieder völlig neu in das Tätowieren verliebe.«

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