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LEXIKON

Lyle Tuttle

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Lyle Tuttle – Tätowierer -Tattoo-Pionier – Tattoo-Sammlung – Der amerikanische Tätowierer ist nicht nur einer der letzten, sondern zugleich auch einer der bedeutendsten Tattoo-Pioniere der Szene. In der kleinen Stadt Ukiah hat Lyle eine Tattoo-Sammlung der ganz besonderen Art. 

In der Tattoo Illu Tattoo-Spirit Ausgabe 26 ab Seite 36 wurde folgender Bericht mit vielen Bildern veröffentlicht (Stand 2006) :

Herry Netwig über: Lyle Tuttles Tattoo-Collection.

Etwa 4 Autostunden von San Francisco, Kalifornien (USA) entfernt, Richtung Norden über den Highway 101, liegt eine typisch amerikanische Kleinstadt Namens Ukiah. Hier lebt Lyle Tuttle im Alter von 78 Jahren, zusammen mit seiner 50-jährigen Tochter Suzanne in seinem Elternhaus, wo er als Kind aufgewachsen ist. Seine Mutter verstarb 1986 und sein Vater bereits 3 Jahre später 1989 . Das Haus ist seit nun 60 Jahren im Familienbesitz, für amerikanische Verhältnisse eine lange Zeit. Die Leidenschaft seines Vaters war Brücken und Häuser zu bauen. Es stehen auch noch einige von ihm gebaute Gebäude in Ukiah.

Die Stadt liegt einsam direkt im Anfang der Redwood Wälder, in denen es die höchsten Bäume weltweit gibt. Auf der Suche nach meinem Hotel, nach einer 22-stündigen Reise, wurde ich zur Begrüßung vom Stadtsheriff angehalten, weil ich zu langsam fuhr. Nach einer amerikanischen Alkoholkontrolle konnte ich dem freundlichen Sheriff erklären, dass ich übermüdet nach dem langem Trip nur noch mein Hotel finden wollte und ein Abendessen. Der Winter war in diesem Jahr in ganz Kalifornien extrem kalt, so dass hier die gesamte Orangenernte erfroren war.
Nachdem ich eine selbst für Nordkalifornien im Januar viel zu kalte Nacht mit Minusgraden ohne vernünftige Heizung im Hotel überstanden hatte, fuhr ich nach dem aufwärmenden Frühstück weiter zu meinem langjährigen Freund Lyle Tuttle, der mich bereits erwartete. Lyle Tuttle ist ein Urgestein der amerikanischen Tätowier Geschichte und kaum daraus wegzudenken. Seine erste Tätowierung erhielt er im Jahr 1946. Bereits 1949 begann er seinen Start als professioneller Tätowierer in San Francisco, zusammen mit C.J. „Pop“ Eddy.

Lyle Tuttle begann seinen Werdegang als Tätowierer
Seinen ersten eigenen Laden in North Beach (San Francisco) eröffnete er viel später: erst im Jahre 1960. Wen wundert es, dass seine Tochter Suzanne bereits im Alter von 10 Jahren ihre erste Tätowierung mit einer extra für sie von ihrem Vater gefertigten kleinen und leichten Tätowiermaschine stach.
Stolz trägt Lyle Tuttle sein Familienwappen auf der Brust, tätowiert mit seinem Lebensmotto: „Chicken today, Feather tomorrow“. Lyle Tuttle wurde in den 70er Jahren zur Flower Power Zeit weltberühmt, in der er Stars wie Janis Joplin und andere tätowierte. So kam er als erster Tätowierer auf das Titelbild des Rolling Stones Magazines. Von 1971 bis 1976 betrieb er einen zweiten Laden in Los Angeles, den er dann an Cliff Raven verkaufte.

In San Francisco entstand eins der ersten Tätowier-Museen
Neben dem Tätowieren selbst, sammelte er von Anfang an alles, was mit dem Tätowieren zu tun hatte. Dadurch entstand in seinem Laden in San Francisco eines der ersten Tätowiermuseen, in dem er verschiedene Exponate öffentlich ausstellte. Seine Leidenschaft galt auch der Herstellung von Tätowiermaschinen und Schmuck, die er in den 80er Jahren selbst vertrieb. Seine Tätowiermaschine »The Frisco Flyer« ist heute ein sehr begehrtes Sammlerstück geworden, das kaum noch unter 1.000,- $ unter Liebhabern gehandelt wird.
Nachdem 1989 sein Tattoo-Shop durch das große Erdbeben in San Francisco zerstört wurde, zog er mit seinem Laden ein paar Häuser weiter. Bis 1995 tätowierte Lyle Tuttle hier weiter. Heute tätowiert er nur noch auf der einen oder anderen Tattoo Convention auf Anfrage sein Autogramm. Eins am Tag, und das kostenlos. Er sagt: »Die Tattoo-Scene war immer gut zu mir und das kann ich zurückgeben.« 2001 verkaufte er seinen Laden endgültig an Tatjana aus Hannover, die den Shop weiterhin betreibt. Seine Museumssammlung nahm er mit nach Ukiah und vermachte sie einer Stiftung, in der er als Verwalter eingesetzt ist. Neben über 800 elektrischen Tätowiermaschinen aus allen Epochen von 1897 bis heute, darunter Maschinen von Jonsey, Wagner, Ziess (um nur einige zu nennen), findet man hier antike Tätowiervorlagen und sehr viele alte Fotos von namhaften Tätowierern und Tätowierten. Seine Leidenschaft sind Tattoo-Business-Cards aus den 70er Jahren und älter. Aus Deutschland hat er, außer Sammy alias Horst Streckenbach – Herbert Hoffmann und Hängo-Monien , keine Exponate in seiner Sammlung. Lyle würde sich über weitere solcher Karten bestimmt freuen und die deutsche Tätowiergeschichte würde etwas ausführlicher in den USA repräsentiert. Wer alte Visitenkarten übrig hat, kann sie gerne direkt an Lyle Tuttle oder auch an mich schicken. Ich werde sie dann weiterleiten.

Zur Zeit gibt Lyle noch zwei verschiedene Seminare auf Tattoo-Conventions weltweit. Ein Seminar beinhaltet den „täglichen Betrieb der Tätowiermaschine mit Pflege – Reparatur und Tuning “, das andere Seminar beschäftigt sich mit der „Freude, seine eigene Tätowiermaschine zu bauen von A bis Z“. Bei Interesse an diesen Seminaren kann man sich an die UETA e.V.(www.ueta.org) wenden, die evtl. diese Seminare in Deutschland abhalten wird. Neben den Seminaren fertigt Lyle immer noch Schmuck in seiner Werkstatt für seine Freunde an, z.B. auch einen Totenkopf als Netzgerät . Sowie auch ein Armband mit 13 Totenköpfen: „Mine reminds me daily that life is short and today is to be enjoyed“. L.T.
Das letzte Schmuckstück war ein Blumen-Armband für Jodie Foster, mit dem sie auf dem Titelbild eines amerikanischen Magazins abgebildet wurde. Ebenso ungewöhnlich sind auch seine Visitenkarten. Mit einer Münzpräge stanzt er jährlich neue Designs seiner Adresse auf ein 1 Cent Stück.

Lyle Tuttles Internetseiten findet ihr unter der Adresse: www.tattoos.com

Herry Nentwig, 1.Vorsitzender U.E.T.A. eV. Tattoo Center Koblenz, Triererstr. 38, 56072 Koblenz, Tel.: 0261-210 530, ax: 0261-210 893
www.tattoocenter.eu oder unter ww.ueta.org

Mehr zu Lyle-Tuttle und dem Triangle-Museum in Kalifonien findet man einen großen Bericht unter Triangle-Museum .

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