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Tätowierer

Die Klassiker aus dem Hause Chambers

Myke Chambers blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Seine Geschichte handelt nicht von Glamour und Ruhm, sondern von Drogen, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit. Myke war nie der strahlende Künstler, wie man ihn sich vielleicht gerne ausmalt, sondern eher der rebellische Punk mit Talent, Ehrgeiz und Ausdauer. Obwohl der raubeinige Texaner für seine neo-traditionellen Oldschool Tattoos berühmt ist, hat er doch mit ganz anderen Sachen angefangen. Wir haben Myke Chambers einmal ein wenig genauer unter die Lupe genommen.

Tattoo-Spirit: Wie lange arbeitest du schon als professioneller Tätowierer?
Myke: Mal nachrechnen, als Lehrling habe ich ja nicht so lange gearbeitet. Alles zusammen sind es schon fast 20 Jahre im besten Job der Welt.
TS: Du hattest eine klassische Lehre?
Myke: Nein, nicht wirklich. Ich lernte von einem Profi aus New Orleans alles, was ich über den Job wissen musste. Anfänglich habe ich hauptsächlich Schriften tätowiert und Kleinigkeiten. Nach ca. sechs Monaten bin ich dann nach Hollywood abgehauen und hab’ mich mit unterschiedlichen Jobs durchgeschlagen.

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TS: Dein Tattoostil ist schon einzigartig und sticht von vielen anderen Künstlern heraus. Wie hast du deinen ganz eigenen »Way of Tattooing« gefunden?
Myke: Es war so ca. vor vier oder fünf Jahren. Ich habe zu dieser Zeit extrem viel Black and Grey Sachen gemacht. Danach rollte ja die Newschool Welle über die Staaten und ich beschäftigte mich dann hauptsächlich mit diesen Klamotten. Dann vor vier/fünf Jahren habe ich mich zum ersten Mal richtig mit traditionellen Oldschool Tattoos beschäftigt. Ich liebte von der ersten Minute an die kräftigen, richtig kräftigen Farben und natürlich auch die fetten Linien. Dabei habe ich gemerkt, dass sehr viele Tätowierer nichts anderes machen, als immer die selben Motive zu kopieren und zu kopieren und zu kopieren und das vor allem eins zu eins. Ich wollte aber mein ganz eigenes Ding durchziehen. Also versuchte ich mich von anderen Kollegen und auch Stilrichtungen inspirieren zu lassen, dabei aber nie eine Sache nur zu kopieren. Ich mache Tattoos auf meine ganz eigene Weise. Natürlich schaut man anderen Künstlern auf die Finger und über die Schulter, doch in meinen Tattoos muss ich und der Kunde meine Kreativität und Fantasie erkennen können.

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TS: Deine Techniken sehen sehr oldschoolig aus, aber die Motivinhalte und der Kontrast deiner Arbeiten, so etwas sieht man nicht besonders oft.
Myke: Richtig. Ich liebe es mit Kontrasten zu spielen. Ich benutze zum Beispiel sehr viel Schwarz aus meiner Black and Grey Zeit. Das alles macht meine Tattoos ein wenig anders als andere Motive.
TS: Du scheinst sehr zufrieden zu sein, hast deinen eigenen Laden, jede Menge Kunden. Aber das war ja nicht immer so, oder?
Myke: Nein, nicht wirklich. Vor meiner Tattoolaufbahn war ich echt am Arsch. Ich lebte in den Straßen von San Francisco, die meiste Zeit unter Brücken oder verlassenen Häusern. Ich war arbeitslos und drogenabhängig, kam mit dem Gesetz in Konflikt und war nicht gerade das, was man einen ehrenwerten Bürger nennen würde. Ich war auf Bewährung draußen, bin aber abgehauen und untergetaucht. Irgendwann habe ich angefangen nachzudenken, über meine Vergangenheit, mein Leben, vor allem über meine Zukunft. Ich erkannte, dass ich nicht ewig mit meinen Altlasten umherirren kann. Ich ging zurück nach San Francisco und stellte mich dem Gericht. Dort war man derart perplex, dass ich freiwillig zurückkam, dass sie beschlossen mir noch eine Chance zu geben. Mein Pflichtverteiger meinte, dass er so eine Gerichtsentscheidung lange nicht erlebt hätte, ich solle diese Möglichkeit nutzen und mein Leben ohne Ärger neu gestalten. Das tat ich dann auch. Ich bekam mein Leben unter Kontrolle. Ich wollte vor allem meinen eigenen Tattooladen aufmachen. Doch meine Kreditwürdigkeit war, wie soll ich sagen, eher bescheiden. Trotzdem setzte ich mich hin und stellte einen Business Plan auf, jeden einzelnen Cent, den ich brauchen würde, führte ich darin auf. Als ich fertig war, schickte ich diesen an die Bank mit der Bitte um ein Darlehn. Irgendwie war es wohl mehr Gottvertrauen, als der Glaube daran, dass die Bank mir das Geld wirklich geben würde. Doch erneut geschah ein echtes Wunder. Die Bank bewilligte den Kredit und ich konnte meinen Laden eröffnen. Einige Zeit später wollte ich den Kredit wie vereinbart zurückzahlen. Die Bank teilte mir mit, dass ich diesen Kredit im Leben niemals hätte kriegen dürfen. Aber sie taten es und ich bekam meinen eigenen Laden. War das nun Schicksal, oder wurde ich ganz einfach dafür belohnt, dass ich bereit war mein Leben zu ändern? Ich werde es wohl nie erfahren.

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TS: Wow, das ist nun wirklich eine bewegte Vergangenheit. Und seit dem läuft bei dir alles nach Plan?
Myke: Nicht nach Plan, eher geordnet und entspannt.
TS: Wo wir gerade bei bewegenden Geschichten sind, welche Tattoo-Story deiner Kunden hat dich persönlich bewegt?
Myke: Du liebe Güte, da gibt es sicherlich eine ganz Menge. Eine jedoch war etwas Besonderes. Da kam immer ein junger Kerl in den Laden, vielleicht gerade mal 15 oder 16 Jahre alt. Ständig mit Alkohol und Joints zugedröhnt wollte er mich immer und immer wieder für ein Tattoo überreden. Ich hab jedes Mal abgelehnt. Irgendwann habe ich ihm dann folgendes Angebot gemacht. Wenn er bis zu seinem 18 Geburtstag clean und trocken bleibt, dann steche ich ihm kostenlos ein Tattoo seiner Wahl. Von einem auf den anderen Tag habe ich nichts mehr von dem Jungen gesehen oder gehört. Pünktlich zu seinem 18 Geburtstag stand er bei mir auf der Matte, komplett drogenfrei. Er bekam sein Wunschtattoo, ein Totenschädel mit der Aufschrift »Der Tod ist einfach, das Leben ist schwer«. Es gibt noch hunderte solcher Geschichten.

TS: Ist es dass, was den Beruf für dich zu etwas Besonderem macht?
Myke: Klar, neben dem Künstlerischen, sind es diese Tätowierer-Kunde Freundschaften, die den Beruf zu etwas echt Großem machen.
TS: Freundschaften?
Myke: Mit vielen meiner Kunden hänge ich unzählige Stunden zusammen. Ich tätowiere und wir plaudern. Da lernst du jemanden sehr schnell kennen. Du erfährst Dinge von ihm, die er nicht mit jedem teilt. Wenn du viel Zeit mit einem Kunden verbracht hast, dann bleibt immer etwas wie eine freundschaftliche Verbundenheit. Ich finde das ist auch sehr wichtig.
TS: Und was würdest du jungen Tattoofans raten?
Myke: Fang am besten gleich mit großen Motiven an. Früher oder später endet das eh in großen Tattoos.

Myke Chambers
IG: Seven Swords Tattoo Co.
IG: Myke Chambers

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